„Was du in der Hand fühlst, fühlt das Pferd im Maul.“

Jedes Schlackern vom Zügel, ein zu starker Druck oder feste Armgelenke übertragen sich über den Zügel in das Pferdemaul. Eine weiche Zügelverbindung und ein entspannter Arm sind also wichtig, wenn du dein Pferd mit weicher Hand reiten möchtest. Wie du ein Gefühl für eine feine Reiterhand entwickelst, erfährst du in diesem Blog-Beitrag.

Was nimmst in deiner Hand wahr?

Pferde haben im Maul eine feine Wahrnehmung. Die Sensibilität ist um einiges höher, als die Wahrnehmung in unseren Händen. Du bist in deinem Mund auch empfindlicher als in deinen Händen, oder? Jeder Reiter sollte es daher zum Ziel haben, ein feines Gefühl für seine Hände auszubilden, an einer weichen und sensiblen Zügelverbindung zu arbeiten und immer wieder genau hinzuspüren.

Parallel zu der Arbeit an der feinen und genauen Wahrnehmung deiner Hände, solltest du üben in allen Armgelenken und in deinen Fingern weich zu sein. Eine starre Reiterhand die der Kopfbewegung des Pferdes nicht folgt, steife Schultern, feste Ellenbogen, verkrampfte Finger oder ein angehaltener Atem können die Ursache, für zu viel Zug auf dem Zügel sein.

Dein Pferd weiß, in welchem Arm du mehr Kraft hast.

Auch deine Händigkeit hat Auswirkungen auf die Zügelverbindung. Ich bin mir sicher, dass dein Pferd weiß, ob du Rechts- oder Linkshänder bist. Als Rechtshänder haben wir häufig mehr Spannung im rechten Arm, weil unsere Muskulatur in diesem Arm stärker ist und die Gelenke weniger beweglich sind. Wenn du Rechtshänder bist, ist deine rechte Schulter wahrscheinlich die festere, oder? Dein Pferd spürt diese feste Schulter in seinem Maul.

Die Zügelverbindung – was fühlst du?

Wenn du im Sattel sitzt, hast du wie selbstverständlich die Zügel in deinen Händen. Aber wie oft fragst du dich wirklich bewusst, was du in deiner Hand spürst? Wie viel Druck, Zug oder Kraft fühlst du? Je weniger Druck du in der Hand hast und je konstanter der Druck ist, desto angenehmer empfindet dein Pferd den Kontakt zu deiner Hand.

Definiere den Druck in deiner Hand.

Um eine feine Hand zu entwickeln, versuche im ersten Schritt der Kraft in deiner Hand eine Zahl zu geben. Auf einer Skala von 0 bis 10, was spürst du in der Hand? Wie stark ist der Zügelzug, das Gewicht?

Eine 0 ist es nur, wenn wir den Zügel auf dem Hals ablegen und nichts in der Hand haben. Schon das Eigengewicht des Zügels ist eine Form von Anlehnung und entspricht somit einer 0,5 oder 1. Wir fühlen den durchhängenden Zügel in unseren Händen und unser Pferd fühlt das Gewicht des Zügels über das Gebiss in seinem Maul, oder beim gebisslosen Reiten an seiner Nase.

Die 10 ist der stärkste Druck in deiner Hand, den du dir vorstellen kannst. Zum Beispiel in dem Moment, wenn dein Pferd dir durchgehen würde. Finde heraus in welchen Situationen du mehr oder weniger Druck in der Hand hast und womit du dich grundsätzlich wohlfühlst.

Dein Pferd mag weiche Armgelenke.

Viele Pferde mögen eine 2 oder 3 in ihrem Maul. Sie können die Reiterhand dann gut spüren und der Zügel schlackert nicht am Gebiss. Auch mit etwas mehr Druck kommen die meisten Vierbeiner gut klar, wenn der Reiter dabei trotzdem weich in den Armgelenken bleibt und der Kopfbewegung des Pferdes gut folgt. Ein lockerer Arm ist wichtig, um dem Pferdekopf bei all seinen Bewegungen passiv so zu folgen, dass das Pferd immer den gleichen Druck im Maul spürt.

Das kannst du tun, wenn du zu viel Druck in der Hand hast.

Wenn dir der Druck in deiner Hand zu viel ist und du dir eine feinere Zügelverbindung wünschst, solltest du von zwei Seiten aus daran arbeiten, dass du mit leichterer Hand reiten kannst.

  1. Finde zu einer gefühlvollen Reiterhand und mehr Beweglichkeit im Arm.
  2. Verbessere die Durchlässigkeit und Balance deines Pferdes.

Damit die Zügelverbindung zu deinem Vierbeiner leichter wird, solltest du also erstmal an deiner Hand und einem losgelassenen Arm arbeiten. Wenn du im ersten Schritt dem Druck in deiner Hand eine Zahl gegeben hast und weißt, was du in deiner Hand fühlst, geht es jetzt darum genauer hinzuspüren.

Hast du in beiden Händen das gleiche Gefühl?

Frage dich, ob du in beiden Händen exakt das gleiche Gefühl hast. Wenn das nicht so ist achte auf folgendes:

  • Fasse die Zügel gleich lang.
  • Deine Hände befinden sich auf einer Linie. Keine Hand steht weiter vorne oder hinten.
  • Beide Arme sind in allen Gelenken gleich locker und beweglich.

Folge passiv der Nickbewegung des Pferdekopfes.

Wenn du die Zügellänge überprüft hast, konzentriere dich noch mal auf dein Gefühl in den Händen. Schließe dazu die Augen und fühle, ob die Zahl in deinen Händen immer gleich bleibt. Verändert sich der Druck zwischendurch minimal? Spürst du ein Rucken in der Hand? Wenn das so ist, kannst du folgendes tun:

  • Meistens sind die Zügel etwas zu lang. Fasse sie nach und versuche noch besser die Nickbewegung vom Pferdekopf zu fühlen.
  • Folge dieser Bewegung, indem du bei geschlossenen Augen deine Arme und Schultern entspannst und fühlst, wohin deine Hand durch das Kopfnicken des Pferdes bewegt wird.
  • Lass dich von dieser Bewegung passiv mitnehmen und fühle, wie deine Hand nach vorne gezogen wird und wieder in ihre Ausgangsposition zurückfällt.
  • Wenn du merkst, dass du in den Schultern oder insgesamt im Arm fest bist, verbessere die Beweglichkeit durch passende Gymnastikübungen.

Mit diesen Übungen verbesserst du die Beweglichkeit in deinem Arm.

Damit deine Armgelenke weich und locker werden, habe ich die besten Übungen dafür in einem YouTube-Video zusammengefasst. Wenn du diese Übungen regelmäßig machst, werden deine Arme und Schultern von Mal zu Mal beweglicher. Ich mache diese Gymnastik gerne am Abend vor dem Schlafengehen und spüre den Effekt am nächsten Tag beim Reiten. Auch direkt bevor du in den Sattel steigst, kannst du dich mit diesen Übungen auf das Reiten einstimmen. Nach der Gymnastik wirst du deine Hand und deinen Arm im Sattel anders wahrnehmen und den Unterschied spüren.

Das YouTube-Video dazu findest du am Ende des Beitrags.

Warum die Durchlässigkeit des Pferdes für eine feine Hand wichtig ist.

Um mit leichter Hand zu reiten, spielt parallel zu deiner gefühlvollen Hand und deinem weichen Arm die Durchlässigkeit deines Pferdes eine große Rolle. Dein Pferd lässt sich insgesamt leichter reiten, wenn es durchlässig auf deine Hilfen von Sitz, Bein und Hand reagiert. Wenn das gelingt, brauchst du weniger Kraft und kannst mit leichter Hand und hauptsächlich aus dem Sitz heraus reiten.

Mit Durchlässigkeit ist gemeint, dass dein Pferd auf eine Hilfe reagiert. Es lässt deine Einwirkung sozusagen durch seinen Körper durch und setzt die Hilfe um, indem es beispielsweise anhält oder sich biegt.

Tipps für mehr Durchlässigkeit beim Reiten.

Du verbesserst die Durchlässigkeit durch das Reiten von Bahnfiguren und vielen Handwechseln, da du so häufig die Biegung wechselst und dein Pferd geschmeidig im Körper wird. Zusätzlich kannst du viele Übergänge zwischen den Gangarten mit einbauen, um die Durchlässigkeit auf die Paraden zu schulen. Eine meiner Lieblingsbahnfiguren dafür ist die Schlangenlinie durch die Bahn mit drei Bögen.

Immer wenn du über die Mittellinie reitest, kannst du Übergänge reiten oder an verschiedenen Punkten innerhalb der Schlangenlinie Volten mit dazu nehmen. Als Steigerung kannst du die Volten in einer anderen Gangart reiten, also beispielsweise nur die Volte im Schritt und davor und danach Trab.

Aktiviere die Hinterhand für eine bessere Balance.

Damit dein Pferd leichter in der Hand wird, ist neben der Durchlässigkeit auch eine gute Balance im Pferdekörper wichtig. Wenn dein Vierbeiner mit abgesunkenem Brustkorb voll auf der Vorhand hängt, liegen Pferdekopf und Hals schwer in deiner Hand.

Wenn du dieses schwere Gefühl in der Hand hast und dein Pferd träge daher schlürft, aktiviere die Hinterhand und bestehe auf genug Engagement und fleißiges Untertreten der Hinterbeine. Reite dazu viele Übergänge zwischen den Gangarten und häufige Tempiwechsel. Gehe auf gebogene Linien und arbeite daran, dass das innere Hinterbein aktiv bleibt und Last aufnimmt. Galoppiere häufig eine kürzere Strecke frisch und knackig voran und reite dann einen Übergang zum Trab, um gleich wieder mit Impuls neu anzugaloppieren. Das Ziel ist es, dass dein Pferd sich selbst (Brustkorb, Hals und Kopf) besser trägt und eine gute Aufrichtung findet.

Trainiere richtig – dein Pferd braucht Kraft, um sich selbst zu tragen.

Wenn dein Pferd besonders zum Ende der Reiteinheit schwer auf der Hand liegt, kann es sein, dass es einfach keine Kraft mehr hat. Dein Pferd braucht ausreichend Muskulatur, um sich ausbalanciert in Selbsthaltung unter dem Reiter zu bewegen. Es ist also wichtig, dass du ausreichend und mit Bedacht trainierst, die Anforderungen passend steigerst und nicht erwartest, dass dein Pferd Höchstleistungen vollbringt, wenn es grundsätzlich zu wenig Kraft und Ausdauer hat.

Möchtest du dein Training mit Plan angehen? Hier findest du kostenlose Vorlagen für deinen Trainingsplan.

Hat dir dieser Beitrag geholfen? Nimmst du einige Ideen mit, was du für eine feine Zügelverbindung tun kannst? Schreibe mir gerne mit wie viel Druck in der Hand du dich am wohlsten fühlst.

Ich wünsche dir ganz viel Erfolg beim Üben. Wenn du jemanden kennst, der auch etwas für seine Hand tun möchte, teile diesen Beitrag gerne. Wenn du Lust auf monatliches Extra-Wissen per E-Mail hast, trage dich zum Newsletter ein. Ansonsten hab viel Spaß mit deinem Vierbeiner.

Bis zum nächsten Blog-Beitrag,

Ellen

Du willst noch mehr Input zum Thema Zügelverbindung? Hier findest du zwei Videos, die dir für eine weiche Hand helfen.

Blog-Beiträge die dir noch gefallen könnten:

https://reiten-im-dialog.de/pferd-geraderichten-sitz/

https://reiten-im-dialog.de/gutes-reiten-bedeutet-fuehlen/