Was nützen die Seitengänge unserem Pferd?

Mit sehr motivierten Teilnehmern habe ich mich an diesem Abend auf eine Reise durch einen der wichtigsten Ausbildungsbereiche unserer Reitpferde gemacht, die Seitengänge.

Angefangen haben wir bei der Skala der Ausbildung mit ihren ersten drei Punkten, Takt, Losgelassenheit und Anlehnung und wie sie uns Reitern das Tor zur Durchlässigkeit und Geraderichtung des Pferdes öffnen.

Durchlässigkeit auf die Reiterhilfen ist notwendig, um durch die Arbeit in den Seitengängen das Pferd im Verlauf der Ausbildung immer mehr und mehr gerade richten zu können. Das Ziel der geraderichtenden Arbeit ist es, beide Hinterbeine so unter die Last des Pferdekörpers zu platzieren, dass diese Gewicht übernehmen, welches sonst auf den Vorderbeinen ruhen würde.

Seitengänge helfen uns also dabei, die Hinterhand zum Tragen aufzufordern, um so die von Natur aus stärker belastete Vorhand zu entlasten.

Nach dieser Einleitung folgte die Biomechanik von Stellung und Biegung, sowie Sitz und Hilfengebung. Danach haben wir die Seitengänge Schulterherein, Kruppeherein/Travers, Renvers und die Traversale genauer betrachtet. Auch das Schenkelweichen, obwohl es klassisch gesehen nicht zu den echten Seitengängen zählt, hat aufgrund seiner vorbereitenden Wirkung für Reiter und Pferd einen Platz an diesem Abend eingenommen.

Zu allen Seitengängen haben wir die Erkennungszeichen, Sitz und Hilfengebung, Biomechanik und den Ausbildungsweg dorthin betrachtet. Es gab jeweils ein Video zur Blickschulung und Arbeitsblätter, um den Inhalt zu veranschaulichen.

Am Ende des Abends hatten alle Teilnehmer ihre Reise mit einer genauen Vorstellung von jedem Seitengang beendet und viel Wissen, Inspiration und Motivation für die Arbeit zu Hause im Gepäck.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Handout:

Die Biomechanik in Stellung und Biegung

Wenn wir unser Pferd in Stellung und Biegung reiten, ist es dabei der Länge nach wie eine Banane gebogen. Aus der Sicht der Biomechanik passiert im Pferdekörper dadurch folgendes:

  • eine Rotation im Genick, der Unterkiefer (die Ganasche) verschiebt sich nach außen, die Stirnlinie zeigt etwas nach innen, hierzu ist ein offener Genickwinkel notwendig (Stirnlinie vor der Senkrechten),
  • sichtbare Biegung der Halswirbelsäule, zu erkennen am gebogenen Verlauf vom Mähnenkamm,
  • Rotation der Halswirbel, die Dornfortsätze drehen nach innen, der Mähnenkamm kippt nach innen,
  • deutliche Rotation und nur sehr geringe Seitbiegung der Brustwirbelsäule, die Rotation ist daran zu erkennen, dass sich die innere Seite vom Brustkorb senkt und der Reiter gut innen sitzen kann,
  • Rotation in der Lendenwirbelsäule, die innere Beckenseite senkt sich und die innere Hüfte kommt nach vorne,
  • das innere Hinterbein tritt weiter unter, nimmt Last auf und die Gelenke werden stärker gebeugt,
  • das äußere Hinterbein entwickelt genug Kraft, um stabil und lange genug außen zu stützen und dadurch das weite Vorgreifen vom inneren Hinterbein möglich zu machen,
  • beide Vorderbeine schwingen gerade aus der Schulter heraus in die Bewegungsrichtung,
  • die äußere Schulter wird leichter und die Bewegung der äußeren Vorhand raumgreifender,
  • da die Schweifwirbel das Ende der gebogenen Wirbelsäule bilden, legt sich die Schweifrübe und somit der gesamte Schweif bei korrekter Biegung nach innen um.

Ein weiterer Termin für diesen Theorieabend ist in Planung:

Ich freue mich auf die Wiederholung von diesem Abend Ende März, die Teilnehmerplätze sind bereits vergeben. Ein weiterer Termin ist Ende April oder im Mai geplant.

Wenn du mehr Informationen zu meinen Theorieabenden zum Thema: „Seitengänge verstehen und richtig Reiten“, lesen möchtest Klicke hier, um zum passenden Beitrag zu gelangen. Dort werde ich auch den nächsten Termin veröffentlichen.

Viele Grüße, Ellen