Hast du Sorge, dass du deinem Pferd im Training zu viel abverlangst? Bist du dir nicht sicher, ob du das richtige Maß zwischen Belastung und Erholung findest? Möchtest du wissen, woran du erkennst, ob dein Pferd im Training Stress hat?

Diese Fragen beantworte ich dir im heutigen Blog-Beitrag. Außerdem habe ich einige Tipps für dich, was du tun kannst, wenn dein Pferd Anzeichen von Überforderung zeigt.

Fordere dein Pferd, ohne es zu überfordern

Wenn dein Ziel mit deinem Pferd eine harmonische und gemeinschaftliche Zusammenarbeit ist, die auf Vertrauen basiert, solltest du deinen Vierbeiner im Training nicht langfristig überfordern. Macht dein Pferd ständig die Erfahrung, dass es in eurer gemeinsamen Arbeit körperlich oder emotional überlastet wird, verliert es das Vertrauen zu dir und seine Motivation.

Damit dein Vierbeiner dazulernen kann und ihr euch beide aus eurer Komfortzone herausentwickelt, ist es notwendig, dass du dein Pferd forderst und seine Grenzen langsam weiter steckst. Dein Pferd setzt sich mit der neuen Anforderung auseinander, macht eine neue Erfahrung und lernt etwas dazu. Zu Beginn ist es – je nach Situation – vielleicht etwas aufgeregt. Gut ist jedoch, wenn sich dein Pferd möglichst bald wieder entspannt. Nach dieser Lernerfahrung ist beispielsweise die Mülltonne nicht mehr gruselig oder eine neue Dressur-Lektion gelingt und dein Pferd hat zum Beispiel den ersten Schritt einer Hinterhandwendung gezeigt.

Überwiegt die negative Anspannung im Training mit deinem Pferd?

Dein Pferd fühlt sich in einer neuen Situation überfordert, wenn es nicht die Zeit bekommt, sich mit der ungewohnten Anforderung auseinanderzusetzen und du für dein Pferd nicht nachvollziehbar reagierst. Oder wenn du deinem Vierbeiner zusätzlich Angst oder Druck machst, weil du beispielsweise ungeduldig wirst oder genervt bist. 

Gibt es diese Situationen zu häufig und überwiegt die negative Anspannung, wenn du mit deinem Pferd arbeitest im Vergleich zu entspannenden und fröhlichen Momenten, geht die Leichtigkeit verloren. Es gibt Rückschritte im Training, Schwierigkeiten entstehen und dein Pferd wendet sich mental von dir ab. Langfristig baut dein Vierbeiner körperlich und geistig Widerstände auf, arbeitet nicht mehr gerne mit, das Reiten wird anstrengender und du hast immer weniger Freude mit deinem Pferd.

Anzeichen für Überforderung im Pferdetraining

Wenn du Sorge hast, dass du dein Pferd überforderst, finde heraus, ob das wirklich der Fall ist und in welchen Situationen sich dein Pferd überlastet fühlt. Versuche außerdem die Ursache dafür, also den Stressfaktor, zu finden. Grundsätzlich kann sich dein Pferd körperlich oder mental überfordert fühlen. Manchmal ist es auch eine Kombination aus beidem. In den folgenden Abschnitten habe ich für dich Merkmale aufgelistet, die dir helfen, eine Überlastung deines Pferdes zu erkennen.

6 Merkmale dafür, dass dein Pferd körperlich überfordert ist:

  1. Mangelnde Lauffreude
  • Dein Pferd verliert die Lauffreude und wird zum Ende der Trainingseinheit immer träger und triebiger. Es ist körperlich erschöpft.

2. Schwer in der Hand

  • Dein Pferd liegt zum Ende der Reiteinheit schwer auf der Hand. Die Selbsthaltung ist verloren gegangen, weil die Rumpftragemuskulatur keine Kraft mehr hat.

3. Anlehnungsfehler

  • Dein Pferd kommt über die Hand oder rollt sich ein. In beiden Fällen hat die Rumpfstabilität nachgelassen, der Brustkorb senkt sich zwischen den Vorderbeinen nach unten ab, der Rücken kommt nicht mehr hoch und – je nach Körperbau und Veranlagung – hebt sich dein Pferd nach oben raus oder weicht hinter den Zügel aus.

4. Widerstände entstehen

  • Das Reiten wird immer anstrengender. Dein Pferd baut Widerstände auf, wird immer fester und du brauchst immer mehr Kraft. Wahrscheinlich ist dein Pferd kräftetechnisch überfordert und spannt Hilfsmuskulatur an, um die erschöpften Muskelbereiche zu entlasten. Oft passiert das, wenn du dein Pferd zu lange mit derselben Kopf-Hals-Haltung und im selben Versammlungsgrad geritten bist. Besser ist es, wenn du anstrengende Phasen mit mehr Versammlung immer wieder durch eine gedehnte Kopf-Hals-Haltung auflockerst und dabei ein freieres Vorwärts abfragst.

5. Gegen die Hand gehen

  • Dein Pferd geht gegen das Gebiss. Es versucht sich aus einer zu anstrengenden Haltung zu befreien.

6. Vermehrtes Stolpern

  • Wenn dein Pferd zum Ende der Reiteinheit immer häufiger stolpert, kann es sein, dass es keine Kraft mehr hat. Dein Vierbeiner bewegt sich schlaff, auseinander gefallen und ohne Körperspannung, weil die Rumpftragemuskulatur ermüdet ist. In dieser Situation erhöht sich die Verletzungsgefahr und das Risiko für einen Sehnenschaden. Du solltest dein Training bald beenden, wenn dein Pferd zum Ende hin häufig stolpert.

7 Merkmale dafür, dass dein Pferd mental überfordert ist:

  1. Dein Pferd bietet dir nervös alles an, was ihm einfällt und reagiert nicht mehr präzise auf deine Hilfen. Das kann auch passieren, wenn du deinem Pferd eine Lektion neu beigebracht hast und es diese Lektion zu seiner aktuellen Lieblingsübung auserkoren hat oder wenn dein Pferd sehr motiviert ist. Um zu beurteilen, ob dein Vierbeiner Stress hat, achte auf weitere Anzeichen die auf eine innere Anspannung hindeuten.
  1. Dein Pferd entzieht sich deinen Anforderungen, indem es sich einrollt oder nach oben aus der Anlehnung heraushebt und über den Zügel kommt.
  1. Die Konsistenz des Speichels verändert sich, wenn dein Pferd Stress hat. Das siehst du am Schaum, der entsteht, wenn dein Pferd auf dem Gebiss kaut. Der Schaum am Maul ist dann nicht mehr halb durchsichtig mit leichten Blasen, sondern wird unnatürlich weiß, flockig und fester.
  1. Dein Pferd rennt dir weg und wird im Verlauf des Trainings immer eiliger und hektischer. So versucht es Stress abzubauen und der Überforderung auszuweichen. Vielleicht explodiert dein Pferd auch plötzlich ohne ersichtlichen Grund oder auf einen kleinen Auslöser hin.
  1. Dein Pferd ist unruhig, wird im Verlauf des Trainings immer nervöser und erschrickt sich häufig.
  1. Dein Pferd zeigt eindeutige Anzeichen von Stress. Es schlägt mit dem Schweif, wirft den Kopf hoch und runter, kaut übermäßig auf dem Gebiss, knirscht mit den Zähnen oder zeigt Maul- und Zungenfehler. Es kann auch vorkommen, dass es nach dir schnappt, wenn du am Boden arbeitest. Weitere kleinere Anzeichen, die auf Stress hindeuten können, findest du in der Mimik und Gestik deines Vierbeiners. Beispiele dafür sind eine angespannte Maulpartie oder ein fehlendes Ohrenspiel.
  1. Dein Pferd erstarrt und geht keinen Schritt mehr vorwärts vor innerer Anspannung. Während dem Training stellt dein Pferd beim Anhalten ein Hinterbein auf der Zehe ab. Diese schildernde Haltung wird oft falsch gedeutet. Im Training ist sie kein Zeichen von Entspannung, sondern ein Mechanismus des Körpers, ein Übermaß an innerer Anspannung wieder abzubauen. Es kann aber auch sein, dass dein Pferd ein gesundheitliches Problem mit diesem Bein hat und es nach einer körperlich anstrengenden Übung zur Erholung entlastet.

Ursachen dafür, dass dein Pferd Stress hat

Wenn du diesen Beitrag liest, bin ich mir sicher, dass du dein Pferd von Herzen liebst, deinen Vierbeiner als Partner betrachtest und es dir wichtig ist, dass es ihm gut geht. Es sollte dein Ziel sein, dass dein Pferd in eurer gemeinsamen Arbeit nicht so viel Stress in sich ansammelt, dass es häufig Anzeichen für Überforderung zeigt oder sich ein Verhalten angewöhnen muss, um die innere Anspannung wieder loszuwerden.

Zeigt dein Pferd schon eine oder mehrere dieser Verhaltensweisen, versucht es damit einer Überforderung auszuweichen und Anspannung und Druck abzubauen. Es kann sein, dass deine Anforderungen oder die äußere Situation Auslöser für die Überforderung sind. Eine weitere Möglichkeit ist, dass dein Vierbeiner früher schlechte Erfahrungen gemacht hat, die heute noch in ähnlichen Situationen Stress auslösen. Wenn dein Pferd ständig unter einer großen Anspannung steht und in einem bestimmten Verhalten einen Ausweg gefunden hat, wirst du viel Geduld brauchen, um ihm diese Handlungsweise wieder abzugewöhnen.

Zu den einzelnen oben aufgeführten Merkmalen habe ich schon einige Ursachen für Stress und Überforderung genannt. Weitere mögliche Gründe findest du in den folgenden Punkten:

  • schlechte Haltungsbedingungen
  • zu wenig Bewegung
  • unpassende Ausrüstung
  • ein scharfes Gebiss oder unangenehmer gebissloser Zaum
  • ein schlechtes Körpergefühl und Angst vor Balanceverlust
  • ein nicht losgelassener Sitz der Reiterin/des Reiters
  • unverständliche Hilfengebung
  • Reiten mit Kraft und Druck
  • innere Anspannung der Reiterin/des Reiters
  • Schmerzen und Erkrankungen des Pferdes

Reduziere deine Anforderungen im Training mit deinem Pferd

Wenn dein Pferd häufig überfordert ist, hast du die Verantwortung dafür herauszufinden, woran das liegt. Ergründe die Ursache und löse sie so gut wie möglich auf. Höre dabei auf dein Gefühl und probiere aus, was passiert, wenn du eine vermeintliche Stressquelle abstellst.

Gehe im Training bis zu dem Punkt zurück, an dem dein Pferd die Aufgaben entspannt lösen konnte und sich wohlgefühlt hat. Fällt dir auf, dass du seitdem deine Reitweise oder einen wichtigen Ausrüstungsgegenstand verändert hast? Überlege, ob das die Ursache für die Überforderung deines Vierbeiners sein könnte.

In den kommenden Wochen und Monaten ist es wichtig, dass dein Pferd wieder Vertrauen in eure gemeinsame Arbeit oder grundsätzlich in die Arbeit mit dem Menschen gewinnt. Es soll die Erfahrung machen, dass es von dir nicht überfordert wird, sodass es sein Ausweichverhalten ablegen kann.

Ist es dir gelungen, eine vertrauensvolle Basis zu entwickeln und eine gute Kommunikation zu deinem Pferd herzustellen, kannst du die Anforderungen im Training wieder behutsam steigern.

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Ich hoffe, dass dieser Beitrag interessant für dich war und du wichtige Impulse mitnimmst. Was du jetzt tun kannst, ist dein Pferd in eurer gemeinsamen Arbeit gut zu beobachten, um festzustellen, ob es überfordert oder mit großer Aufmerksamkeit und Energie bei der Sache ist. Schreibe mir gerne einen Kommentar, was du beobachtest und wie sich eine mögliche Überforderung bei deinem Pferd äußert.

Ich freue mich, wenn dir dieser Beitrag hilft, eine harmonische Partnerschaft zu deinem Vierbeiner aufzubauen. Für besseres Reiten und glücklichere Pferde!

Bis zum nächsten Mal,

Ellen

P.S.: Teile den Beitrag gerne!

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